Die Technik als Retter und Feind zugleich

In diesem Text beziehe ich mich auf ein Interview von Peter Haffner mit Sherry Turkle. Sie ist Professorin am Massachusetts Institute of Technology MIT und ist somit täglich mit den neusten Technologien konfrontiert. Im Interview spricht sie über ihre Ansicht bezüglich neuer Medien und dem Internet.

Aus der Sicht von Sherry Turkle ist der Stand der heutigen Technik keinesfalls schlecht oder gar gesellschaftszerstörend, so wie dies andere Fachleute finden. Für Sherry Turkle gibt es allerdings ein grosses Problem: Die Menschheit könne mit den neuen Medien nicht umgehen. Dieses Problem führe dazu, dass sich das grosse Angebot an Medien und Informationen negativ und gesellschaftsverändernd auf die heutigen und künftigen Generationen auswirken werde.

Ein von Sherry Turkle angesprochener Punkt im Interview hat mich beeindruckt, da er mir zuvor noch nicht aufgefallen ist. Sherry Turkle sagt, dass die Menschen durch den ständigen Medienkontakt verlernen alleine zu sein. Das irritiert mich – denn alleine sein können ist ja im Grund nichts Erstrebenswertes beziehungsweise Positives. Wieso sollte es gut sein, wenn ein Mensch alleine ist? Doch mit dem zweiten Gedanken wurde mir klar, dass das «Nicht-allein-sein-Können» ein schlimmer Verlust ist. Jeder Mensch braucht Zeit, in der er/sie einfach den eigenen Gedanken nachgehen kann und sich nicht ständig anderen mitteilen muss was er/sie gerade denkt oder macht. Mir ist aufgefallen, dass diese wertvollen Momente im Alltag immer kürzer und seltener werden. Selbst beim Warten auf den nächsten Bus zückt jeder sofort aus Langeweile sein Handy, um sich die Zeit zu vertreiben. Niemand hält offenbar mehr Wartezeiten ohne Aktivität aus.

Sherry Turkle erwähnt im Interview auch, dass durch den ständigen Umgang mit neuen Medien die direkte Kommunikation zwischen Menschen verloren geht. Das zeigt etwa die Situation in einem Restaurant, wenn sich zwei Personen gegenüber sitzen, den ganzen Abend an ihrem Handy verbringen und sich höchstens noch vor dem Essen «Guten Appetit» wünschen. Das finde ich traurig! Nach der Meinung von Sherry Turkle wird es bald nicht mehr möglich sein, zusammen zu sein und zu reden ohne gleichzeitig weitere Kontakte über das Handy oder den Computer zu pflegen. Ich muss zugeben: ich muss ihre Meinung leider teilen.

Dass sich die Gesellschaft durch den ständigen Gebrauch der Medien so stark verändert, finde ich sehr schade! Es wäre tragisch, wenn sich die weiteren Generationen nicht mehr ohne Technik verständigen können. Damit ginge eine wichtige Eigenschaft der Menschheit zugrunde …

 

Das Internet als Neugestalter unserer Zeit

Steven Johnson schrieb 2006 in einem seiner Texte („Neue Intelligenz. Das Internet als soziales Netzwerk“) über das Internet, das schon damals den grössten Teil der privaten Haushalte erreicht hatte und weltweit genutzt wurde.

Wie alle neu aufkommenden Medien brachte auch das Internet Ängste und Kritik mit sich. Laut Steven Johnson hatte man vor allem Angst, dass die Gesellschaft durch das ständige Nutzen des Internets bedroht sei und sogar bald vernichtet werden könnte. Die Bevölkerung sitze dann ständig zu Hause vor dem Computer und kommuniziere nur noch über Chats oder andere soziale Kommunikationsplattformen im World Wide Web.

Nach Johnson traten diese Befürchtungen jedoch nicht ein – doch ich bin da anderer Meinung. Ich finde, dass die Menschen wegen des Internets massiv weniger soziale Kontakte untereinander haben. Zwischen manchen Menschen bleibt selbst die Face-to-Face-Kommunikation aus, während sie am gleichen Tisch sitzen. Das ist für mich ein deutliches Zeichen, dass das Internet unsere Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad zerstört. Ich kann allerdings nicht abschätzen, ob dieses Phänomen ein für die Menschheit gravierendes Problem wird – oder ob die Art des Lebens einfach in eine andere Richtung geht. Es kann auch sein, dass die Durchdringung des Internets im Alltag der erste Schritt einer ganz neuen Lebensform ist.

Das Internet hat aber nicht nur neue (bedenkliche) Strukturen in unser Leben gebracht. Durch das Internet sind wir auch mit der ganzen Welt verknüpft. Dies sagt auch Johnson in seinem Text. Die direkten zwischenmenschlichen Kontakte nehmen ab, dafür werden internationale Kontakte gefördert und aufgebaut. Dadurch können die Menschen ganz einfach international kommunizieren.

Auch was das Informationsangebot angeht, sind wir heute verwöhnt. So wird jede Person mit Zugang zum Internet ständig über die neusten weltweiten Ereignisse informiert. Dies kann sich aber auch negativ auswirken. Denn die tägliche Nachrichtenflut kann einen Menschen schnell überfordern und ihn krank machen. Über diese negativen Auswirkungen berichtet Steven Johnson allerdings nicht. Er betrachtet das Internet lediglich als wichtiges soziales Netzwerk und Bereicherung des menschlichen Alltags.

Man darf gespannt sein, was die kommenden Generationen einmal rückblickend über die Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft sagen werden …

Mit Ängsten in die Zukunft

Die heutige Weltbevölkerung ist abhängig von den Medien. Sie beeinflussen unser Leben und informieren uns tagtäglich über die wichtigsten Ereignisse weltweit. Das Internet, die Sozialen Medien sowie die Zeitung und das Fernsehen sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Aus meiner Sicht, könnte eine Person, welche die aufgezählten Medien täglich intensiv nutzt, nicht mehr darauf verzichten. Doch das sah man nicht immer so. Als zum Beispiel das Internet erfunden worden ist, hörte man viele negative Stimmen dazu. War es, weil die Menschen Angst haben Tradition zu verlieren? Oder haben sie einfach Angst vor dem Neuen?

Folgende Zitate zeigen auf, was die Menschen damals über das Internet und Computer gedacht haben.

„Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft.“

Ron Sommer, ehemaliger Telekom-Chef, 1990

 

„Internet ist nur ein Hype.“

Bill Gates, Microsoft Gründer, 1993

 

„Das Internet wird 1996 kollabieren.“

Robert Metcalfe, Erfinder des Ethernet, 1990

 

„Es gibt keinen Grund dafür, dass jemand einen Computer zu Hause haben will.“

Ken Olsen, Gründer des Computer-Herstellers Digital Equipment Corporation, 1977.

 

Anhand der Zitate sieht man deutlich, dass selbst Computer-Experten nicht ans Internet glaubten. Ich finde, dass man beim Lesen dieser Zitate die Angst der Sprechenden spüren kann. Sie haben zwar etwas Revolutionäres entwickelt, konnten dies damals aber nicht selbstbewusst der kritischen Bevölkerung präsentieren.

Das Internet ist allerdings nicht das erste Medium, das eine solche Angst und Kritik bei der Menschheit hervorruft. Ein altes Medium, welches ein solches Verhalten ausgelöst hat, ist seit 400 Jahren vor Christus bis hin zum heutigen Tag aktuell. Heute wird es als Schauspiel und Vergnügen angesehen, doch damals stiess es durchwegs auf Kritik. Es handelt sich um das Theater.

Als das Theater aufkam, hatten die Menschen Angst davor, dass ihre traditionellen Spektakel zur Huldigung von Göttern verschwinden könnten. Doch schon bald konnte man sich das Leben ohne Theater kaum mehr vorstellen.

Das Gleiche geschah auch mit dem Buch, der Zeitung und dem Computer bis hin zu den sozialen Medien im Internet …

Doch eigentlich muss man sich keine Sorge machen über die verschwindende Tradition und die Medien, die in der Zukunft entwickelt werden, denn jedes Medium vereint die bisherigen Medien in einem neuen Format. Ab und zu fällt eine unbrauchbare Funktion, die sich in der Vergangenheit nicht bewährt hat weg, dafür kommt eine neue dazu. So können wir möglicherweise in Zukunft die Zeitung vielleicht nur noch digital lesen. Fakt ist also: Die Zeitungen wird es immer geben.

Medien – der bekannte Begriff den niemand kennt

Medien gestalten unseren Alltag. Medien beeinflussen unser Leben. Medien kennt jeder. Wenn man sich allerdings näher mit den Medien oder dem einzelnen Medium befasst, merkt man, dass der Begriff gar nicht so einfach zu definieren ist, wie man vielleicht glaubt. Wenn man im Duden nach dem Begriff „Medien“ sucht, findet man folgende Definition: „Trägersysteme zur Informationsvermittlung“.

Jetzt stelle ich mir schon die erste Frage: Was gilt alles als Information? Von mir aus gesehen gilt die Gestik und Mimik eines Menschen sowie das Bellen und Knurren eines Hundes ebenfalls als Information. Der Hund oder die Katze möchte mit einer bestimmten Handlung dem Gegenüber ebenfalls nonverbal etwas mitteilen. Laut dieser Aussage wären zum Beispiel der Gesichtsausdruck (für Mimik) und Handbewegungen (für Gestik) von Menschen oder die Laute von Katzen und Hunden ebenfalls Medien …

Die zweite Frage, die ich mir stelle: Ist ein Medium nur ein Medium, wenn es gerade im Moment Informationen übermittelt? Ein Fernsehgerät ist also eigentlich nur ein Medium, wenn gerade eine Sendung läuft. Das bedeutet eigentlich, dass man das, was ein Medium inhaltlich ausmacht, gar nicht berühren kann … Ist also das Fernsehgerät das Medium oder übernimmt der Sender, der die Informationen ausstrahlt, den Platz des Mediums? Wenn dem so ist: Welche Sendungen zählen dann überhaupt als Informationsübermittlung? Muss es eine Wissenssendung sein oder kann es sich auch um primitive Unterhaltung handeln? Wenn jemand eine Sendung ansieht, die nur zur Unterhaltung des Zuschauers dient, wird ebenfalls eine Art Information vermittelt, sonst würde es den Menschen ja offensichtlich nicht unterhalten.

Dies sind alles Fragen, welche nicht so einfach zu beantworten sind. Am besten würde man solche Fragen im Plenum ausdiskutieren, denn ich bin überzeugt, dass jeder dazu eine andere Meinung hat und eine andere Position vertritt …

Wenn man sich auf wissenschaftlicher und fachlicher Ebene umsieht und weitere Definitionen liest, wird einem je länger, je klarer, dass selbst die Wissenschaft keine eindeutige Begriffserklärung liefern kann. Im Gegenteil: Jede Definition wirft neue, komplexe Fragen auf.

Für mich ist die Begriffserklärung von „Medien/Medium“ philosophisch zu betrachten und kann nie eindeutig definiert werden.